Save Our Souls lautet das Motto zum 99. Gedenktag des Genozids 1915 an den Assyrern

„Ich bin hier in Deutschland aufgewachsen“, so die 23 -jährige assyrische Mathematikstudentin Ornina B.. „Mir geht es heute gut, aber wenn ich die Geschichten über den systematisch geplant und durchgeführten Völkermord der Jungtürken von meinen Großeltern höre: wie christliche Frauen und Mädchen gewaltsam dem Islam überführt, Männer enthauptet oder ganze Familien in Todesmärsche durch die syrische Wüste geschickt wurden, da kommt Wut und vor allem tiefe Trauer in mir auf.“

Am internationalen Gedenktag des assyrischen/aramäischen, armenischen sowie griechischen Genozids, den 24. April, veranstaltete der Assyrische Jugendverband Mitteleuropa e.V. (AJM) vor dem hessischen Landtag eine Kundgebung zum 99. Jahrestag. Ziel dieser zweistündigen Veranstaltung war es, die Bevölkerung sowie die Politik auf den Völkermord im Jahr 1915 im damaligen Osmanischen Reich, der heutigen Türkei, aufmerksam zu machen.

Zu Ehren der Märtyrer wurde das Vater Unser sowohl auf Aramäisch als auch auf Deutsch von den beiden syrisch-orthodoxen Pfarrern Eliyo Celik und Sabri Shahin aus Wiesbaden zu Beginn eingeleitet und mit einer Schweigeminute umrahmt.

Auch die Landtagsabgeordneten Tobias Utter (CDU), Barbara Cardenas (Die Linke) sowie Ernst-Ewald Roth (SPD) unterstützten diese Aktion mit hoffnungsspendenden Ansprachen. „Deutschland trage aufgrund der damaligen politischen Beziehungen eine Mitverantwortung zur Aufarbeitung dieses Themas“: bekundete Cardenas. Roth bekräftigte die Reden seiner Kollegen: „Meine Fraktion und ich werden uns für die weltweite Anerkennung des Genozids an dem assyrischen Volk einsetzen.“

Abschließend wurden 99 Luftballons, die symbolisch für die unvergessenen Jahre der Ungerechtigkeit stehen und mit der Aufschrift „Save Our Souls – 1915.de“ versehen waren, in den Himmel gelassen, während ein selbst komponiertes Lied die Emotionen der Zuschauer ergriff. Petrus Atalay, der Projektleiter des AJM, resümierte: „Ca. 500 Menschen nahmen an unserer Veranstaltung teil. Wir sind sehr zufrieden mit dem heutigen Arrangement. Es belegt wie berührend und präsent die vergangenen Ereignisse für die Angehörigen gegenwärtig noch sind. “