Jede Gesellschaft konstruiert ihre Identität – ihre Selbstverortung – auch aus der Geschichte. Was wollen wir erinnern? Was verdrängen wir? Wer sind wir? Wie wollen wir auf keinen Fall sein? Und Wer sind unsere Vorbilder und Helden?
Große Teile der Gesellschaft in der Türkei und in ihrer Diaspora haben diese Fragen in bedenklicher Weise beantwortet, durch die Verehrung von Männern, die diese Wertschätzung keineswegs verdienen, da sie in den organisierten Massenmord ihrer Mitbürger/Innen verstrickt waren. Der Weg vom gerichtlich verurteilten Planer und Vollstrecker von Massenmord zum verehrten Volkshelden, zum patriotischen „Märtyrer“, vollzog sich in mehreren Stufen, beginnend mit der Rehabilitation der 1919 von osmanischen Sonder-Gerichtshöfen verurteilten jungtürkischen Staatsmänner und Parteifunktionäre durch die Republik Türkei, der Übereignung der 1915 beschlagnahmten armenischen Immobilien (Gesetz Nr. 882 vom 31.05.1926) sowie der Zahlung lebenslanger Renten an die Angehörigen „rehabilitierter“ Völkermordtäter, der Pflege und des Ausbaus von Grabstätten der Täter zu Gedenkstätten und Erinnerungsorten, der Bau von Denkmälern sowie die Benennung öffentlicher Einrichtungen, insbesondere Schulen und Moscheen, sowie Straßen und Plätze zu Ehren der Mörder.

Unsere Internet-Recherche erbrachte zwei erschreckende Resultate:

  • Zum einen sind die für die genozidale Vernichtung ihrer christlichen Mitbürger Verantwortlichen heute an zahlreichen Orten der Türkei (und auch Zyperns), aber auch in Berlin öffentlich präsent.
  • Zum anderen ließ sich feststellen, dass diese Präsenz im Lauf der Jahrzehnte zu- statt abgenommen hat.
Die nachfolgende Dokumentation belegt beide Tendenzen: